Basale Stimulation

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Wahrnehmung

Die mentale Repräsentation des Körper - Ich

Die zunehmende Ausbildung selbstorganisierender funktioneller Systeme im Umgang mit dem eigenen Körper und der Auseinandersetzung mit der Umwelt erfolgt allmählich und schrittweise.
Ausgangspunkt für die Entwicklung dieser Eigen - Identität ist die Abgrenzung der Körperoberfläche gegenüber der Umwelt. Sie ist ein absolut gesichertes Phänomen, das in der mentalen Repräsentation ständiger Bestätigung unterliegt.

Diese Körperidentität wird in der Anfangsphase der Entwicklung des Kleinkindes als ein selbstverständliches Phänomen hingenommen, das in der mentalen Repräsentation keine subjektiv wahrgenommene selbständige Bedeutung besitzt.

Trotzdem können wir davon Ausgehen, das sich schon bald nach der Geburt das zuerst sehr diffuse Bewusstsein eines Eigen -Ich in Abgrenzung gegenüber der Umwelt und anderen Personen ausbildet.
Diese zuerst sehr elementare Vorstellung nimmt im zweiten bis drittem Lebensjahr immer konkretere Formen an. Dies betrifft z.b. die allmähliche bewusste Wahrnehmung des vollständigen, in sich geschlossenen Körperschemas.

(Einschulung für das Kind)

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Das Körperschema!

Von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der mentalen Repräsentation sind die Erfahrungen mit dem eigenen Körper. Sie beginnen bereits beim Heranreifen des Feten in der Gebärmutter .
Zu dieser Zeit handelt es Sich aber noch um weitgehend isolierte Erfahrungen mit einzelnen Körperteilen und Gliedmaßen.
Mit ihrer zunehmenden Betätigung bilden sich anfangs getrenntre Repräsentationen, die sich erst allmählich zu einem einheitlichen selbstorganisierenden System zusammenschließen.

Durch die aktiven Betätigungen in der Umwelt gehen laufend unbewusste multisensorische Informationen über die Wahrnehmung der Körperbewegung ein.
An denen außer den Muskeln- und Gelenksempfindungen sowie den Sinnesempfindungen an der Haut vor allem auch die Schwerkraftempfindung und Information aus dem Körperinneren teilnehmen.
Die große Bedeutung der Entwicklung des selbstorganisierenden Systems Körperschema ergibt sich daraus, dass bei allen Auseinandersetzungen mit der Umwelt dieses das Ich repräsentierende Körperschema ausschlaggebende Bezugsgröße ist.

Informationen aus der Umwelt, über Begrenzung der Körperoberfläche und über die Form der sich aktiv betätigenden Gliedmaßen des Kopfes und des Körpers in immer erneuten Kombinationen auf den verschiedenen Repräsentationsebenen gespeichert.

Die Berührung der Haut, die ständigen Bewegungen der Extremitäten, des Kopfes und des Rumpfes bilden den konstantesten Informationszufluss zum Gehirn.

Man kann es heute als gesichert ansehen, das die Ausbildung des Körperschemas auf einer genetischen Vorgabe erfolgt.
Zur Entwicklung des Menschen gehört zur Grundvoraussetzung, die Ausbildung seiner Körperform.

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Das Phantombild - ein Teil des Körperschemas?

Das durch ständig wiederholte Erfahrung auf der mentalen Repräsentationsebene stabilisierter Körperschema bleibt auch dann noch erhalten, wenn die Betätigung durch körpereigene Afferenzen ausbleibt.
Dies ist zum Beispiel beim Phänomen des Phantomgliedes der Fall. Es tritt bei einem hohen Prozentsatz, Bein und Armamputierten auf, vor allem dann, wenn nicht bald nach der Amputation eine Prothese angepasst werden konnte.
Das Phantomglied wird von der betreffenden Person bei geschlossenen Augen als normaler Bestandteil seines Körpers wahrgenommen. Beim Gehen, Setzen, Hinliegen wird es in der gleichen Weise mitbewegt, wie sich das gesunde Glied früher bewegt hätte.

Es können Empfindungen verschiedenster Art wahrgenommen werden, obwohl es in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist.

Da das Phantombild real nicht existiert und die in dem neuronalen Netzwerk vorhandene Repräsentation der Bewegung und Wahrnehmung des Phantomglieds keine Bestätigung durch afferente Impulse über seine tatsächliche Stellung, sein Aussehen und seine Bewegung erhält, können sich die Verschaltungen der gespeicherten Informationen mehr und mehr verändern.

Dies kann mit unterschiedlichster Form und Geschwindigkeit geschehen. Das Phantombild verschwimmt allmählich, hängt frei in der Luft oder wird in den Amputationsstumpf hinein projiziert.

Die verschiedenartigsten Wahrnehmungsqualitäten wie Berührung, Art der getasteten Oberflächenstruktur, Druck Schmerz, Temperaturempfindung, Jucken u.a. können in dem verlagerten Phantombild auftreten.

Quelle: Basale Stimulation -neurowissenschaftliche Grundlagen: Prof. Pickenhain 1998

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© 2007 by Johann Rannegger