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BARRIEREFREIER TOURISMUS IN ÖSTERREICH



"Analyse des Reiseverhaltens und den dabei auftretenden Problemen
entlang der touristischen Servicekette von Menschen im Rollstuhl im Raum Österreich"


Die Diplomarbeit von Mag. (FH) Rudolf Rannegger befasst sich mit dem Konzept des barrierefreien Tourismus in Österreich, wobei das Reiseverhalten von österreichischen Rollstuhlfahrern und deren Probleme auf Reisen erhoben und analysiert werden.

Reisende mit einer Behinderung sind mit einer Vielzahl von Problemen entlang der touristischen Servicekette konfrontiert, welche bei der Buchung einer Reise, während des Urlaubs und besonders in der Reisedestination selbst auftreten können. So ist es für sie schwer ein geeignetes Hotel zu finden, welches ihren Bedürfnissen entspricht, touristische Sehenswürdigkeiten zu besuchen, da diese nicht mit über die nötige Zugänglichkeit verfügen und sie haben Probleme bei Freizeitaktivitäten teilzunehmen. Das Konzept des barrierefreien Tourismus, auch „Tourismus für Alle“ genannt, versucht die bereits bestehenden baulichen und sozialen Barrieren zu reduzieren, damit jede Person, unabhängig von der Art der Behinderung, die Möglichkeit hat, in eine beliebige Destination zu reisen und dort den Urlaub zu verbringen. Von Seiten der Tourismus-Wirtschaft, kann festgestellt werden, dass der Markt des barrierefreien Tourismus ein hohes Potenzial an Wachstum aufweist, wobei derzeit noch eine große Nachfrage auf ein sehr reduziertes Angebot trifft.

Auf Grund von fehlenden quantitativen Daten über das Reiseverhalten von Rollstuhlfahrern aus Österreich, ist es das Ziel dieser Arbeit, dieses Forschungsdefizit zu beheben und aussagekräftige Daten über deren Reiseverhalten, der Reisehäufigkeit, der Reiseabsicht und den Gründen einer Reiseabstinenz darzulegen. Die dafür gesammelten Daten werden mit der österreichischen Gesamtbevölkerung verglichen, um mögliche Abweichungen im Reiseverhalten festzustellen. Ein weiteres wesentliches Ziel dieser Studie liegt in der Aufstellung von Reiseproblemen entlang der touristischen Servicekette von Menschen im Rollstuhl aus Österreich, wobei der Schwerpunkt der Analyse in Bezug auf die Problemfrequenz und Problemrelevanz gerichtet ist.

Um die benötigten Informationen zu erhalten, kommen bei dieser Studie drei verschiedene Befragungsstrategien zum Einsatz. Eine Kombination von Online-Befragung, persönlichem Interview mit einem strukturierten Fragebogen und einer schriftlichen Befragung macht es in dieser Studie möglich, eine vielschichtige Stichprobe anzuzielen und so möglich Fehlerquellen der einzelnen Verfahren zu reduzieren. In Bezug auf das Stichproben-Auswahlverfahren wird das Ermessungsverfahren als nicht-zufallsgesteuertes Auswahlverfahren herangezogen, wobei die Interviewer aus der Grundgesamtheit die Elemente auswählen, die nach ihrem Ermessen wahrscheinlich genaue Informationen liefern werden. Dieses Verfahren wird ausgewählt, da keine statistisch verwendbaren Informationen über die Grundgesamtheit vorliegen. Alles in Allem war es somit möglich eine Stichprobe von 302 Menschen im Rollstuhl aus allen Bundesländern Österreichs zu interviewen.

Für die Auswertung der gewonnen Daten wird das Analyseprogramm SPSS herangezogen, um somit Antworten auf die Hypothesen und den zentralen Fragestellungen der Studie zu erhalten. In Bezug auf das Reiseverhalten, kann festgestellt werden, dass in den letzten 12 Monaten 68% der österreichischen Rollstuhlfahrer mindestens eine Haupturlaubsreise durchgeführt haben und 32% der Befragten auf einen Haupturlaub verzichtet haben. Als Grund dafür werden „zu viele Barrieren auf Reisen“, „Finanzielle Gründe“ und „Gesundheitliche Gründe“ angegeben. Im Durchschnitt werden zwei Reisen mit mindestens vier Nächtigungen absolviert, wobei Österreich (31%), Kroatien (20%) und Italien (17%) die bevorzugten Reisedestinationen sind. Im Allgemeinen organisieren Reisende im Rollstuhl ihren Urlaub selbst (57%), nur 18% nehmen die Hilfe von Reisebüros in Anspruch. In Bezug auf das verwendete Transportmittel ist ersichtlich, dass mehr als die Hälfte der Befragten den eigenen PKW und rund ein Drittel das Flugzeug verwenden. Innerhalb der Urlaubsdestination werden vorwiegend Hotels als Unterkunftsart in Anspruch genommen. Auf die Frage ob man häufiger verreisen würde, wenn sich von der Angebotsseite die Umstände verbessern, antworten mehr als zwei Drittel der Befragten mit Ja.

Bei der Analyse der Probleme entlang der touristischen Servicekette kann festgestellt werden, dass Reisende im Rollstuhl aus Österreich noch immer mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert werden. Als häufigstes Problem kann die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von sanitären Anlagen genannt werden. Probleme ergeben sich sowohl im Zug, Flugzeug und Reisebus, als auch in Restaurant, Unterkünften und in Bezug auf öffentliche Toiletten in der Urlaubsdestination. Ein weiteres Problem, dass eine hohe Problemfrequenz und Relevanz aufweist, ist das Defizit an Informationen. Menschen im Rollstuhl geben an, dass ihnen kaum Informationen zur Verfügung stehen und sich Vorhandenes in Broschüren, Internetseiten oder im Reisebüro in vielen Fällen als unvollständig oder falsch herausstellen. Ein weiteres Grundproblem stellt die Zugänglichkeit vor und während einer Reise dar. Besonders bei historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten ergeben sich Probleme, da diese nicht bzw. nur erschwert mit dem Rollstuhl zugänglich sind. Ähnliche Probleme ergeben sich bei der Verwendung von Freizeiteinrichtungen, in der Unterkunft und bei Stadtführungen.

Auf Grund der Interpretation und der Diskussion der gesammelten Daten dieser Diplomarbeit, ergeben sich hilfreiche Informationen für die Tourismus-Wirtschaft im Bereich des „barrierefreien Tourismus“. Im Vergleich dieser Ergebnisse mit der Gesamtbevölkerung Österreichs kann festgehalten werden, dass Menschen im Rollstuhl aus Österreich, in Bezug auf Haupturlaubsreisen, ein ähnliches Reiseverhalten aufweisen wie die Gesamtbevölkerung. Touristische Anbieter müssen sich jetzt mit dem Thema des barrierefreien Tourismus auseinandersetzen, um auf der einen Seite selbst von dem potenziellen Markt zu profitieren und um auf der anderen Seite Menschen mit einer Behinderung den Konsum des gleichen touristischen Produkts zu ermöglichen, wie dies bei „nichtbehinderten“ Menschen der Fall ist.

Download der Diplomarbeit