Schlaf-assoziierte Störungen bei Kindern
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Geschrieben von Ursula am 28.02.2009 09:05:44 (833 * gelesen)
In ungefähr 30 Prozent aller Familien leiden Kinder und Jugendliche an Schlafstörungen. Beim Großteil der Fälle sind falsche Erwartungen der Eltern das Hauptproblem. Von „echten“ organischen und nicht-organischen Schlafstörungen müssen diese klar abgegrenzt werden.
Die Prävalenz von Schlafstörungen und Schlaf-assoziierten Störungen im Kindesalter wird sehr unterschiedlich angegeben. „Sie schwankt zwischen fünf und 40 Prozent“, berichtete Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendliche am LKH Leoben-Eisenerz. Wie bei Erwachsenen unterscheidet man auch im Kindes- und Jugendalter zwischen organischen und nicht organischen Schlafstörungen. Eine exakte Anamneseerhebung, eventuell kombiniert mit einer Videodokumentation in der häuslichen Umgebung, und bei entsprechender Indikation die Untersuchung im pädiatrischen Schlaflabor mittels Polysomnographie, ermöglichen eine genaue Diagnostik von Schlaf-assoziierten Funktionsstörungen.
Unterschiedliche Schlafzeiten
Besonders großen Wert legt Kerbl auf die Anamnese. Dabei müssten die sich erst entwickelnde zirkadiane Rhythmik sowie das individuell sehr unterschiedliche Schlafbedürfnis von Kindern beachtet werden. „Keiner kann von einem zwei Monate alten Baby erwarten, dass es durchschläft und nicht jedes Kindergartenkind braucht seinen Mittagsschlaf“, so der Experte. Um das individuelle Schlafbedürfnis des Kindes zu erkennen, kann bei Bedarf ein Schlaftagebuch über 14 Tage geführt werden, das Aufschluss über die Verteilung der Schlafphasen und die Gesamtschlafzeit geben kann. Fünfjährige, so der Experte, bräuchten im Durchschnitt 11,5 Stunden Schlaf pro Tag. Aber: Der Unterschied zwischen Gleichaltrigen kann mehrere Stunden betragen. Über diese physiologische Bandbreite hinaus gibt es auch schwere Störungen, die eine Abklärung im Schlaflabor erfordern, (z.B. kongenitales zentrales Hypoventilationssyndrom (Undine-Syndrom), obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) und Parasomnien wie Somnambulismus, Pavor nocturnus oder „Confusional Arousal).
Diagnose im Schlaflabor
Den Unterschied zwischen nicht organischen und organischen Schlafstörungen demonstrierte Kerbl anhand von zwei Beispielen aus dem Schlaflabor. Das eine betraf eine Mutter mit ihrem Kind. Die Anamnese ergab, dass beide im selben Bett schlafen. Kerbl: „Diese Situation haben wir im Schlaflabor nachgestellt. Die bei beiden Personen durchgeführte Polysomnographie zeigte keinen pathologischen Befund, außer dass sich Kind und Mutter durch kurze Wachphasen und Bewegungen aus dem Schlaf heraus ständig gegenseitig aufweckten. Eine wichtige therapeutische Konsequenz ist bei einer solchen überkontrollierten Beziehung die Trennung von Mutter und Kind aus dem gemeinsamen Bett.“
Das zweite Beispiel war ein Kind mit plötzlichem Leistungsknick in der Schule. Kerbl: „Die Untersuchung zeigte schwerste Apnoe-Phasen, die durch eine massive adenotonsilläre Hypertrophie ausgelöst waren.“ Adenoide und Tonsillenhypertrophie sind der häufigste Grund für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom im Kindesalter. Unbehandelt können solche Störungen zu negativen Langzeitfolgen führen. Die Indikation zur Operation wird in vielen Fällen durch eine Polysomnographie gestellt. In der vorgestellten Kasuistik zeigte sich nach der Tonsillektomie ein völlig ungestörter Schlaf. Auch der Erfolg in der Schule stellte sich wieder ein.
Schlafhygiene-Tipps
Abschließend unterstrich Kerbl die Bedeutung von konstanten Zubettgeh-Zeiten und Tagesabschluss-Ritualen. Außerdem sollte jeglicher Stress vor dem Zubettgehen vermieden werden: kein Fernsehen direkt vor dem Schlafengehen. Wichtig sind auch optimale Umgebungsbedingungen: eine Raumtemperatur von etwa 18 Grad, keine komplette Abdunkelung des Raumes und keine zu große Entfernung zwischen Eltern- und Kinderschlafzimmer. Etwaige Ängste des Kindes sollten vor dem Schlafengehen einfühlsam besprochen werden.
quelle: Linzer Schlafsymposium, 26.–27. September 2008, Linz