NEUROREHABILITATION - GESTENTRAINING
Geschrieben von Ursula am 03.11.2008 14:33:35  (1169 * gelesen)
Datum 03.11.2008 14:33:35
Thema

Therapie der Apraxie – Gestentraining

Apraxie bezeichnet eine Störung der motorischen Handlungsplanung und -ausführung, die sich in eine ideatorische und eine ideomotorische Form einteilen lässt. Bei der ideatorischen Apraxie bestehen Fehler bei Handlungen mit Objektgebrauch, bei der ideomotorischen Apraxie Fehler bei Handlungen ohne Objektgebrauch (z.B. Ausführen von Gesten, Pantomime, Imitation von Bewegungen).

Die Apraxie äußert sich in motorischen Fehlhandlungen und ist in erster Linie Folge von Läsionen in der linken Gehirnhemisphäre. Sie betrifft nicht nur die kontralaterale Körperhälfte, sondern auch die zur Läsion ipsilaterale Seite des Körpers. Die fehlerhaften motorischen Aktionen bei Apraxie beziehen sich auf den Gebrauch von Werkzeugen und Objekten, symbolische Gesten und Pantomime des Objektgebrauchs und das Imitieren von Gesten.

In der klinischen Untersuchung ist deutlich zu sehen, dass die Lokalisation gestörten Imitierens von der Art der Gesten abhängt. „Gestörtes Imitieren von Handstellungen ist spezifisch für linksparietale Läsionen, Imitieren von Finger- und Fußstellungen ist auch bei rechtsseitigen und linksfrontalen Läsionen beeinträchtigt und kann bei linksparietalen Läsionen erhalten sein“, erklärte Prof. Dr. G. Goldenberg vom Klinikum Bogenhausen in München.

Apraktische Störungen beeinträchtigen die Patienten im alltäglichen Leben deutlich, deshalb muss man in der Rehabilitation folgende prinzipielle Fragen stellen: Verbessert die Therapie die alltagsrelevanten Auswirkungen der Störung? Generalisieren Therapieerfolge auch auf nicht direkt trainierte Fähigkeiten? Das Imitieren bedeutungsloser Gesten ist zweifelsohne relevant für das Erlernen von Fertigkeiten in motorischen Therapien, also in Physio- und Ergotherapie. Die Patienten können lernen, bedeutungslose Gesten richtig zu imitieren; ob eine Generalisierung auf nicht geübte Gesten erfolgt, ist jedoch fraglich. Die Pantomime des Objektgebrauchs stellt den Objektgebrauch dar, führt ihn aber nicht aus – es handelt sich um eine kommunikative Geste, abgeleitet von instrumenteller manueller Aktion.

Die Merkmale der Handbewegung, die bei wirklichem Gebrauch durch Interaktion mit dem Objekt bestimmt werden, müssen frei dargestellt werden (z.B. Weite eines Glases). Dabei sind nur Handbewegungen und Handstellungen zulässig, die auch im wirklichen Gebrauch vorkommen. Dies stellt hohe Anforderungen an Abruf und Auswahl von distinkten Merkmalen aus dem semantischen Gedächtnis. In einer Studie von Daumüller und Goldenberg wurde ein Gestentraining mit schwer aphasischen und in der Pantomime fast ausnahmslos apraktischen Patienten durchgeführt.
Der therapeutische Schwerpunkt lag im Verstehen der kommunikativen Funktion der Geste durch eine Ablösung der Pantomime vom aktuellen Gebrauch, d.h., zunächst wurde die Geste des Gebrauchs mit dem Objekt erlernt, dann nur unter Sicht des Objekts, danach mit verschiedenen Bildern des Objekts und schließlich nur auf verbale Aufforderung.
Die Studie konnte zeigen, dass Patienten in der Therapie die Produktion einzelner Gesten erlernen. Vermutlich können manche aphasische Patienten dabei Prinzipien der gestischen Produktion erwerben, die auch die Produktion ungeübter Gesten erleichtern. Die Übertragung der in der Therapie erworbenen Gesten in den kommunikativen Alltag außerhalb der Therapie ist allerdings unsicher und kann auch von der Kooperation und Anregung der Kommunikationspartner abhängen.


Quelle:
Modul 4 des Curriculums Neurorehabilitation der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie und der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation, Innsbruck, 26. April 2008

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