Nachruf Johann Rannegger / Ein Weg mit Bestimmung
Geschrieben von Ursula am 21.01.2017 14:21:35  (256 * gelesen)
Datum 21.01.2017 14:21:35
Thema

Ein Weg mit Bestimmung
Rede geschrieben von deinen Kindern
Lieber Papa, Lieber Johann,
Du bist am 14.05.1956 in Pölfing-Brunn als drittes und jüngstes Kind von Juliane und Franz Rannegger vulgo Kogl-Toni zur Welt gekommen.
Trotz der schweren Zeiten und des frühzeitigen Todes deines Vaters hattest du eine für dich erfüllte Kindheit und erzähltest immer von der schönen Zeit in deiner Heimat Sankt Ulrich und dem Leben mit deinen Geschwistern Elisabeth und Franz. Auch wenn Deutsch nicht gerade deine Stärke war, hast du die Volkschule in Sankt Ulrich, sowie die Hauptschule in Wies erfolgreich abgeschlossen. Du warst ein begabter „Sängerknabe“ und dank deiner Erzählungen konnten wir uns immer bildlich vorstellen wie du von Klasse zu Klasse zum Vorsingen geschickt wurdest.


Die Zeit als Jugendlicher hast du mit einer Lehre in Groß Sankt Florian begonnen. Du warst auf der Suche nach einer Arbeit und deine Mutter meinte - Brot bräuchten die Leute sowieso immer – und somit nahmst du deine Bestimmung an und wurdest Bäcker. Der weite Arbeitsweg und die frühen Stunden machten dir nichts aus, und mit deinem Talent, harter Arbeit und dank deiner Hände hast du es geschafft der jüngste Bäckermeister der Steiermark zu werden.
Auch im Privaten war es für dich eine aufregende Zeit – was wir wissen, warst du mit einem gelben BMW, einer engen Glockenhose und einer „O Solé Mio“-Hupe im Ulricher Umland sehr gefragt und beim Kegelscheiben hast du deinen Mitstreitern gezeigt wie man mit „Sau und Kranzerl“, ein Preiskegeln nach dem anderen gewinnt. Zu dieser Zeit – auch beim Kegeln - hast du die Frau deines Lebens und unsere Mama kennengelernt, die du 1981 geheiratet hast.
Dein Leben war in voller Fahrt als du erfahren musstest, dass deine Bestimmung doch eine andere ist. Wegen einer schweren Mehlallergie musstest du deinen Beruf als Bäcker aufgeben und wieder von vorne beginnen. So bist du 1981 mit deiner besseren Hälfte nach Graz gezogen und hast beim Reinigungsdienst im LKH Graz begonnen. Ihr habt auf kleinstem Raum gewohnt und trotzdem hast du dich immer an diese Zeit positiv zurück erinnert – wobei du oft von den Nächten mit den „Nachbar-Studenten“ erzählt hast und von dem Rosengarten, den du als Hausmeister persönlich gepflegt hast.
In dieser Zeit habt ihr auch eure Familie gegründet und wir beide kamen zur Welt: 1982 Rudi und drei Jahre später Silvia.
Als Familienvater hast du deine Verantwortung ernst genommen – du hast die Glockenhose und die „O Sole Mio“-Hupe samt BMW abgelegt und bist mit Dauerwelle, Schnauzer und rotem 1er Golf in deinen neuen Lebensabschnitt gegangen. Zur selben Zeit hast du ein Eigenheim in Schwanberg errichtet und auch an deiner Karriere weitergearbeitet. Es war deine Bestimmung vom Reinigungsdienst zum Stationsgehilfen zu wechseln und gleich darauf den Diplom-Intensiv-Krankenpfleger auf der neurologischen Intensivstation vom LSF in Graz zu machen.
Der Job auf der neurologischen Intensivstation war für dich bestimmt, und auch wenn du dich noch viele Jahre mit Bereitschaftsdiensten und Nachtschichten plagen musstest, war es der Grundstein für dein weiteres Leben.
Privat warst du in dieser Zeit, wie immer, sehr aktiv und hast schon damals sehr gerne mit deinen Händen „gewirkt“. Ob es deine wunderschönen Strohsterne waren, die du gebastelt hast, oder der Emailschmuck den wir gemeinsam auf diversen Hobbykünstlermärkten verkauft haben, die Germteigweckerl die du, trotz Allergie, immer wieder mal für uns zubereitet hast, oder die tausende Kilo Schwammerl die du vom Wandern heimgebracht hast…
Es war immer was zu tun und du warst immer mit 200% bei der Sache. Auch deine sportliche Seite wollen wir hier erwähnen. Wir waren wohl nicht die sportlichste Familie, aber du hast immer versucht uns zu motivieren - ob beim Radfahren, Yoga, Ski fahren, Tennis spielen, Kegelscheiben, Schwimmen...wir denken gerne an unsere legendäreren Minigolf turniere und auch die Tischtennismatches zurück. Du warst immer aktiv und mit viel Energie dabei. Erst vor ein paar Wochen, als du vom Krankenhaus entlassen wurdest, hast du uns gesagt wie du dich freust im Sommer wieder mit uns allen Tischtennis zu spielen. Auch wenn wir nicht mehr gegen dich gewinnen können, hoffen wir dass du dort, wo du jetzt bist, würdige Gegner findest.
Nun aber zurück zu deinem beruflichen Werdegang: Im Jahre 1995 wurde dir eine Ausbildung in Deutschland an der Universität Witten Herdecke in die Hände gelegt. Nur wenige wussten zu diesem Zeitpunkt um was es sich dabei handelt – nicht mal du konntest erahnen welche Auswirkungen es für dich und für die Pflege haben wird – aber du hast es zugelassen und angenommen. Somit wurdest du zum Kursleiter der Basalen Stimulation in der Pflege ausgebildet und 1996 bei der KAGES als Lehrbeauftragter für interne Fort- und Weiterbildung Basale Stimulation® in der Pflege eingestellt. Du, und auch wir wissen, dass es Bestimmung war – denn hierbei handelte es sich um einen Wendepunkt in deinem Leben.
Privat war das wohl eine unserer schwersten Zeiten – so wurden wir 1996 mit der Diagnose Kopftumor konfrontiert, und du musstest sofort operiert werden. Dank deiner Energie und deiner Kraft hast du die Krankheit bekämpft und warst nur nach wenigen Wochen Reha wieder zurück bei deiner Arbeit. Seitdem hast du den Großteil deines Lebens der Basalen Stimulation und der Pflege gewidmet.
Mit den Jahren wurden wir Kinder erwachsen und sind ausgezogen und auch du bist deinen Weg „alleine“ gegangen und hast die letzten 12 Jahre in Graz - Andritz gewohnt. Somit konntest du dich noch intensiver deiner Arbeit, und aber auch uns, und vielen anderen Menschen, widmen. Du hast Menschen aus ganz Österreich geholfen, hast die schwierigsten Fälle auf dich genommen, und sie mit deinen Händen therapiert und somit Lebensqualität und Hoffnung geschenkt.
Trotz Begeisterung vieler, die zu dir kamen, wissen wir, dass diese Zeit nicht immer leicht für dich war und gewisse Situationen, wie du sie immer genannt hast, bis heute von dir nicht ganz überwunden wurden. Wir, als deine Kinder, können dir jedoch sagen, dass wir diese Zeit mit dir sehr genossen haben und wir dankbar sind, dass es so war, wie es war. Wir sind mit dir zusammengewachsen, haben viel gemeinsam unternommen, - wie beispielweise Urlaube am Faaker See, Besuche in Barcelona oder gemeinsames EAV-Schallplatten hören zu Hause,- wir haben gemeinsam gelacht, lange geredet und dich so richtig kennengelernt. Natürlich haben wir auch so manche ASE oder Fuß Massage genießen dürfen und sind ab und zu als „Versuchskaninchen“ eingesprungen.
Du durftest die Hochzeit von Rudi & Babsi miterleben, hast Valentin noch kennengelernt und hast auch noch deine zwei Enkel Emma und Lukas als Steirer-Opa in die Arme nehmen können. Du hast verstanden, dass es auch gesunde Kinder gibt – die man einfach nur gernhaben kann, die einem etwas geben, und nicht mehr von einem Opa benötigen als Zuneigung und Aufmerksamkeit.
Du hattest noch so viel vor. Du hast immer gesagt du wirst über 100 und dann musstest du im letzten Jahr feststellen, dass du nicht mehr dieselbe Energie hattest wie zuvor. Du hast dich selbst therapiert, hast versucht dich wieder zu aktivieren, und trotzdem warst du gezwungen Ende 2016 eine Auszeit zu nehmen.
Es war sicher nicht leicht für dich und trotzdem hast du die Situation angenommen und hart an dir gearbeitet. Du warst am richtigen Weg, voll mit Motivation und wusstest, dass du es schaffen wirst; jedoch wusste keiner – auch du nicht – dass dein Herz von Tag zu Tag schwächer wurde.
Im Nachhinein können wir sagen, dass auch diese Zeit Bestimmung war, denn sie erlaubte uns dir sehr nahe zu sein und schöne Momente gemeinsam zu erleben. Der Abschied fällt und trotzdem sehr schwer und somit sind wir heute mit dir, in Sankt Ulrich, wo alles begann… – DU faltest deine wertvollen Hände vor Gott - für uns alle viel zu früh - aber es ist nun mal deine Bestimmung und wir akzeptieren es - weil wir wissen, dass du es auch akzeptiert hast. Viel Erfolg auf deiner neuen Reise. Wir vermissen dich und sind dankbar diese Zeit mir dir gemeinsam gegangen zu sein. Danke für Alles. Lieber Johann, Papa, Schwiegerpapa, Steirer-Opa, Bruder, Freund…. Danke und Ruhe in Frieden!

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